Der Vergabemarkt verändert sich schneller als je zuvor. Digitalisierung, KI und ein wachsender Reformdruck stellen Unternehmen vor neue Fragen: Wie bleibt man wettbewerbsfähig? Was braucht es wirklich für eine erfolgreiche Ausschreibungsteilnahme? Und wohin entwickelt sich der Markt?
Der DTAD begleitet Unternehmen seit über 25 Jahren im Vergabemarkt. Diese Erfahrung schärft den Blick aber sie ersetzt nicht das direkte Zuhören. Deshalb hat der DTAD gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey den Vergabemarkt systematisch befragt: Was bewegt die Menschen, die täglich darin arbeiten?
Das bewegt die Industrie-, Produktions- und Verarbeitungsbranche
Die Ergebnisse zeigen: Der Vergabemarkt hat branchenübergreifende Gemeinsamkeiten aber auch klare Unterschiede. Befragt wurde zu fünf Themen, die den Markt aktuell beschäftigen. Den Ausgangspunkt bildet der Ist-Zustand: Wo bremst der Vergabeprozess und warum? Aus diesen Belastungen ergibt sich ein Reformdruck. Darauf folgt die praktische Frage, welche Rahmenbedingungen eine erfolgreiche Teilnahme am Vergabemarkt befördern und schließlich der Blick auf die Instrumente: Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI dabei?
- Themen, die die Industrie-, Produktions- und Verarbeitungsbranche bewegen
Die Bremsen: Überlastung im Vergabemarkt
Welche Bremsen gibt es im Vergabeprozess? Die Industrie, Produktion und Verarbeitung sieht viele Hürden gleich wie der Gesamtdurchschnitt der befragten Branchen. Drei Werte stechen dennoch heraus: Zu späte Kenntnis über relevante Vorhaben, aufwendige interne Koordination und mangelnde Datenintegration werden häufiger genannt als branchenübergreifend.
Lange Verfahrensdauer (35,6 %) und administrative Komplexität (33,8 %) weichen kaum vom Gesamtschnitt ab. Drei andere Werte fallen dagegen klar auf. Zu späte Kenntnis über relevante Vorhaben nennen 24,3 %, der höchste Wert aller befragten Branchen und deutlich über dem Gesamtschnitt von 15,7 %. Aufwendige interne Koordination erreicht 24,6 % und Mangelnde Datenintegration liegt mit 12,1 % fast doppelt so hoch wie branchenübergreifend (7,0 %).
Diese drei Werte beschreiben ein zusammenhängendes Muster: Informationen kommen zu spät, müssen aufwendig intern abgestimmt werden und lassen sich nicht direkt in bestehende Systeme übertragen. Für eine Branche mit langen Produktions- und Planungszyklen ist der Zeitpunkt des Informationseingangs besonders entscheidend. Kapazitäten, Partnerschaften und Kalkulationen lassen sich nur anpassen, wenn Vorhaben früh genug sichtbar werden.
Die Forderungen: Reformen mit Wirkung
Keine andere befragte Branche nennt Reformanliegen so verhalten wie die Industrie, Produktion und Verarbeitung. Forderungen nach Vereinfachung und Bürokratieabbau, bilden den niedrigste Wert aller vier Branchen.
Knapp 30 % haben keine klare Reformpriorität, der höchste Wert im Vergleich zu allen anderen Branchen (Gesamtschnitt: 14,6 %). Das Bild ist heterogen. Wo die Branche dennoch Prioritäten setzt, fällt auf, was gewählt wird. Standardisierte Schnittstellen (APIs) fordern 23,8 % gegenüber 16,1 % im Gesamtschnitt. Rechtssicherheit (29,6 %) und einheitliche Datenformate (28,7 %) sind die relevantesten Reformfelder. Damit zeigt sich vor allem eine notwendige Veränderung der technischen Infrastruktur und des regulatorischen Rahmens.
End-to-End-Digitalisierung des Vergabeprozesses steht dagegen mit nur 10,1 % weit hinten, unter dem Gesamtschnitt von 22,4 %.
Die Erfolgsfaktoren: Erfolgreiche Teilnahme an Ausschreibungen
Was brauchen Unternehmen, um an Ausschreibungen erfolgreich teilzunehmen? Wo andere Branchen klare Schwerpunkte setzen, zeigt die Branche Industrie, Produktion und Verarbeitung ein verteiltes Bild. Kein einzelner Erfolgsfaktor dominiert stark, die Anforderungen verteilen sich breiter.
Hinter den zentralen Unterlagen folgen mehrere Faktoren in engem Abstand: Profile der Vergabestellen (20,3 %), Frühindikatoren für Auftragsbedarf (20,2 %) und maschinenlesbare Unterlagen (20,2 %) liegen alle nah beieinander. Ein Zusammenhang fällt dabei auf. In den Hürden nannte die Branche zu späte Kenntnis über relevante Vorhaben als größtes Problem aller Branchen. Bei den Erfolgsfaktoren landen Frühindikatoren für Auftragsbedarf knapp über dem Gesamtschnitt. Die Branche erkennt das Problem und benennt das passende Gegenmittel, priorisiert es aber nicht so deutlich, wie der Hürdenvergleich erwarten ließe.
Schnellcheck
Wer Ausschreibungen und geplante Vorhaben nicht frühzeitig auf dem Radar hat, verliert Vorbereitungszeit. Manche Chancen sind bereits vergeben, bevor das erste eigene Angebot entsteht. Strukturierter Zugang zu Ausschreibungen aus hunderten Quellen und Frühinformationen aus Vorabbekanntmachungen und Haushaltsplänen schaffen den Vorsprung, der für ein überzeugendes Angebot gebraucht wird.
Wer ohne Markt- und Wettbewerbsdaten kalkuliert, verteilt Ressourcen nach Einschätzung statt nach Faktenlage. Strukturierte Marktdaten machen sichtbar, wer wie häufig ausschreibt, in welchen Volumina und mit welchen Vergabepräferenzen. Das schafft die Grundlage, um gezielter zu priorisieren und überzeugender zu kalkulieren.
Manuelle Prozesse, fehlende Systemanbindung und ungenutzte Automatisierungspotenziale binden Kapazität, die für die inhaltliche Angebotsarbeit fehlt. Vergabedaten, die strukturiert bereitstehen, sich direkt in bestehende Systeme einbinden lassen und durch intelligente Automatisierung weiterverarbeitet werden können, verlagern den Fokus wieder dorthin, wo er hingehört.
Zu spät über Vorhaben informiert zu sein und gleichzeitig ohne Marktkenntnis zu kalkulieren, bedeutet doppelten Nachteil. Wer früh im Bild ist und weiß, wie Auftraggeber und Wettbewerber aufgestellt sind, kann Chancen realistisch bewerten und Ressourcen gezielter einsetzen.
Wer Ausschreibungen zu spät entdeckt und gleichzeitig zu viel Kapazität für manuelle Prozesse aufwendet, verliert an zwei Stellen gleichzeitig. Frühinformationen und strukturierte, systemintegrierbare Vergabedaten mit intelligenter Automatisierung adressieren beide Hebel und schaffen mehr Spielraum für die eigentliche Angebotsarbeit.
Wer ohne Marktdaten kalkuliert und gleichzeitig zu viel Kapazität in manuelle Prozesse investiert, arbeitet mit dünner Basis bei hohem Aufwand. Strukturierte Marktdaten kombiniert mit maschinenlesbaren Vergabeunterlagen, intelligenter Automatisierung und direkter Systemanbindung bedeuten mehr Entscheidungsgrundlage bei weniger Aufwand.
Wenn im gesamten Vergabeprozesses Ausbaupotenzial besteht, können mehr als nur Einzelmaßnahmen helfen. Der DTAD bündelt Ausschreibungssuche, Frühinformationen, Marktdaten, strukturierte Vergabedaten, API-Anbindung und intelligente Automatisierung in einem System, aufgebaut auf über 25 Jahren Erfahrung im öffentlichen Vergabemarkt.
Die Hebel: Digitalisierung die wirkt
Was braucht es für die Digitalisierung im Vergabeprozess? Während der Gesamtmarkt primär zentrale Daten und Schnittstellen fordert, verlangt die Industrie, Produktion und Verarbeitung nach operativer Optimierung. Einheitliche Formate und reibungslose interne Workflows müssen ineinandergreifen.
Beide Spitzenwerte liegen über dem Gesamtschnitt und zeigen denselben Bedarf: Vergabeinformationen sollen nicht isoliert verwaltet werden, sondern in bestehende Systeme und interne Prozesse einfließen.
Transparente Dokumentation von Entscheidungen liegt dagegen mit 20,1 % unter dem Gesamtschnitt (27,8 %). Industrie, Produktion und Verarbeitung bewertet Digitalisierung im Vergabeprozess stärker nach ihrer Alltagstauglichkeit als nach regulatorischer Nachvollziehbarkeit.
Dass 29,1 % keine klare Präferenz nennen, setzt das Muster fort, das sich schon bei den Themen Reformen und Erfolgsfaktoren gezeigt hat: Die Branche ist intern heterogener als andere.
Die Zukunft: Künstliche Intelligenz
Mit 38,8 % liegt Industrie, Produktion und Verarbeitung beim KI-Einsatz auf Platz zwei aller befragten Branchen. KI ist bereits in einem relevanten Teil der Unternehmen im Einsatz. Beim wahrgenommenen Potenzial zeigt die Branche ein Profil, das mit ihrer wirtschaftlichen Logik übereinstimmt.
Fristen und Compliance-Checks stehen mit 37,0 % klar an erster Stelle, über dem Gesamtschnitt von 24,8 %. Historische Preis- und Wettbewerbsbenchmarks erreichen 25,5 % gegenüber 13,8 % im Gesamtschnitt, passend zum Fokus auf Kalkulation und Wettbewerbspositionierung. Für eine Branche, die Aufträge auf Basis präziser Kalkulationen anbietet, sind historische Vergleichswerte ein direktes wirtschaftliches Instrument.
Angebotsbewertung und Texterstellung spielen mit 16,5 % eine untergeordnete Rolle. KI wird in Industrie, Produktion und Verarbeitung weniger als Kommunikationswerkzeug gesehen, sondern als Prüf- und Analyseinstrument. 28,5 % sehen in keinem Bereich KI-Potenzial, leicht unter dem Gesamtschnitt (30,5 %). Es wird sich zeigen, ob KI-Tools durch stetigen Fortschritt und kontinuierliche Weiterentwicklung im Vergabewesen eine immer zentralere Rolle auch in dieser Branche spielen werden.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Civey-Erhebung ist eine wissenschaftlich fundierte Studie und für den DTAD zugleich ein konkreter Praxisanker. Die Ergebnisse zeigen, wo Unternehmen im Vergabeprozess heute an Grenzen stoßen und welche Anforderungen im Arbeitsalltag besonders ins Gewicht fallen.
Für den Sektor Industrie, Produktion und Verarbeitung zeichnet die Trendanalyse ein klares Bild: Das zentrale Problem ist kein formales, sondern ein zeitliches. Kein anderer befragter Sektor benennt zu späte Kenntnis über relevante Vorhaben so häufig als Hürde. Für eine Branche mit langen Produktions- und Planungszyklen hat das direkte Konsequenzen. Kapazitäten, Partnerschaften und Kalkulationen lassen sich nur anpassen, wenn Vorhaben früh genug sichtbar werden. Gleichzeitig soll Information nicht nur früher ankommen, sondern direkt in bestehende Systeme einfließen. Einheitliche Datenformate, standardisierte Schnittstellen und maschinenlesbare Unterlagen sind die technischen Voraussetzungen dafür, dass Vergabeinformationen im industriellen Arbeitsalltag wirklich nutzbar werden.
Mit über 25 Jahren Markterfahrung hat der DTAD Lösungen entwickelt, die an genau diesen Punkten ansetzen: von Frühinformationen zu geplanten Vorhaben über strukturierte, maschinenlesbare Vergabedaten bis hin zur API-Integration in industrielle ERP- und Planungssysteme. Historische Vergabewerte und aufbereitete Marktdaten schaffen zusätzlich die Grundlage für verlässliche Kalkulationen und Compliance-Prüfungen.
Für Unternehmen bedeutet das weniger Zeitverlust durch verzögerten Informationseingang, eine frühzeitigere Marktübersicht als Basis für Planung und Kalkulation sowie Vergabedaten, die sich ohne manuellen Zwischenschritt in bestehende Systeme übertragen lassen.