DTAD Trendanalyse 2026Stimmen aus der IT
Befragt wurden 1.000 privatwirtschaftliche Entscheidungstragende in Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden mit beruflicher Erfahrung zum Thema (Auftrags-)Vergabeverfahren.
Befragt wurden 1.000 privatwirtschaftliche Entscheidungstragende in Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden mit beruflicher Erfahrung zum Thema (Auftrags-)Vergabeverfahren.
Der Vergabemarkt verändert sich schneller als je zuvor. Digitalisierung, KI und ein wachsender Reformdruck stellen Unternehmen vor neue Fragen: Wie bleibt man wettbewerbsfähig? Was braucht es wirklich für eine erfolgreiche Ausschreibungsteilnahme? Und wohin entwickelt sich der Markt?
Der DTAD begleitet Unternehmen seit über 25 Jahren im Vergabemarkt. Diese Erfahrung schärft den Blick aber sie ersetzt nicht das direkte Zuhören. Deshalb hat der DTAD gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey den Vergabemarkt systematisch befragt: Was bewegt die Menschen, die täglich darin arbeiten?
Die Ergebnisse zeigen: Der Vergabemarkt hat branchenübergreifende Gemeinsamkeiten aber auch klare Unterschiede. Befragt wurde zu fünf Themen, die den Markt aktuell beschäftigen. Den Ausgangspunkt bildet der Ist-Zustand: Wo bremst der Vergabeprozess und warum? Aus diesen Belastungen ergibt sich ein Reformdruck. Darauf folgt die praktische Frage, welche Rahmenbedingungen eine erfolgreiche Teilnahme am Vergabemarkt befördern und schließlich der Blick auf die Instrumente: Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI dabei?
Bürokratie und langwierige Entscheidungswege gelten als die größten Hürden im befragten Vergabemarkt. Unternehmen aus der IT spüren diese Barrieren allerdings ungleich stärker. Die drei Hauptprobleme übertreffen den Branchendurchschnitt erheblich.
Im Gesamtmarkt ist lange Verfahrensdauer mit 34,1 % die meistgenannte Hürde, gefolgt von administrativer Komplexität mit 30,5 %. In der IT-Branche dreht sich dieses Bild: Administrative Komplexität steht mit 72,9 % an erster Stelle, fehlende Transparenz folgt mit 65,6 %. Lange Verfahrensdauer liegt mit 51,8 % auf Platz drei und dennoch weit über dem Gesamtschnitt. Der Vergabeprozess wird hier nicht punktuell als problematisch wahrgenommen, sondern in seiner gesamten Struktur als schwerfällig.
Besonders die Kombination aus formaler Komplexität und fehlender Transparenz fällt ins Gewicht. IT-Vergaben umfassen häufig technisch anspruchsvolle Leistungsbeschreibungen, mehrstufige Verfahren und kleinteilige Eignungskriterien. Gleichzeitig bleiben Bewertungsmaßstäbe und Anforderungen oft interpretationsoffen. Das erzeugt ein doppeltes Risiko: hoher Vorbereitungsaufwand bei unsicherer Grundlage.
Ein weiterer Befund spiegelt die Eigenlogik der Branche wider: Mangelnde Datenintegration wird mit 15,4 % mehr als doppelt so häufig genannt wie im Gesamtschnitt (7,0 %). IT-Unternehmen arbeiten in vernetzten Systemen und erwarten, dass Vergabeinformationen direkt in bestehende Workflows integrierbar sind. Wo das nicht funktioniert, entsteht manueller Aufwand, der dem eigenen Arbeitsverständnis der Branche fundamental widerspricht.Wie sollte der Vergabemarkt sich ändern? Branchenübergreifend steht der Wunsch nach Vereinfachung und Bürokratieabbau mit 59,8 % klar an erster Stelle der genannten Reformanliegen. IT-Unternehmen setzen sich an die Spitze dieser Forderung. Keine andere befragte Branche drängt derart massiv auf vereinfachte Prozesse und weniger administrativen Aufwand.
93,2 % der IT-Entscheider fordern Vereinfachung und Bürokratieabbau, der höchste Wert aller befragten Branchen. Noch deutlicher fällt der Abstand beim zweiten Reformanliegen aus: End-to-End-Digitalisierung des Vergabeprozesses fordern 65,5 %, gegenüber 22,4 % im Gesamtschnitt. Eine vollständig digitale Vergabeinfrastruktur ist für die IT-Branche keine Vision, sondern eine überfällige Notwendigkeit.
Das ist branchenlogisch. IT-Unternehmen gestalten täglich digitale Prozesse für andere. Die Lücke zwischen dem, was sie für Kunden realisieren, und dem, was sie im öffentlichen Vergabeprozess selbst erleben, dürfte nirgendwo so spürbar sein wie hier.
Aufschlussreich ist auch, was weniger gefordert wird. Rechtssicherheit nennen nur 17,9 %, unterhalb des Gesamtschnitts (24,6 %). Standardisierte Schnittstellen fordern lediglich 5,1 %, obwohl Interoperabilität im IT-Alltag als selbstverständlich gilt. Beides könnte als logische Folge einer vollständig digitalisierten Vergabeinfrastruktur betrachtet, nicht als eigenständige Reform. Dass lediglich 4,0 % ohne klare Meinung bleiben, gegenüber 14,6 % im Gesamtschnitt, unterstreicht ein weiteres Mal das klare Bild der Branche.Branchenübergreifend gilt der Zugang zu zentralen Ausschreibungsunterlagen als wichtigster Erfolgsfaktor. Die IT-Branche sieht das genauso, benennt dahinter aber Faktoren, die in keiner anderen befragten Branche so stark gewichtet werden: Systemintegration, historische Vergabedaten und Kontextinformationen über Auftraggeber spielen hier eine deutlich größere Rolle.
Nur 6,8 % antworten mit "Weiß nicht", gegenüber 22,1 % im Gesamtschnitt. Die IT-Branche weiß auch hier, was für eine erfolgreiche Ausschreibungsteilnahme gebraucht wird.
Besonders auffällig sind drei Werte, die die Branche deutlich von anderen unterscheiden. API/CRM-Integration wird mit 33,8 % mehr als doppelt so häufig genannt wie im Gesamtschnitt (12,7 %). Historische Vergabe- und Losdaten erreichen 33,3 % gegenüber 10,1 % im Gesamtschnitt. Profile der Vergabestellen und Entscheider kommen auf 30,6 % gegenüber 19,5 %. Alle drei Werte zeigen dasselbe Muster: IT-Entscheider denken nicht in einzelnen Ausschreibungen, sondern in integrierten Entscheidungsprozessen. Informationen sollen nicht nur abrufbar sein, sondern direkt in bestehende Systeme einfließen, mit historischen Daten verglichen werden können und strategischen Kontext über Auftraggeber liefern.
Wer Ausschreibungen und geplante Vorhaben nicht frühzeitig auf dem Radar hat, verliert Vorbereitungszeit. Manche Chancen sind bereits vergeben, bevor das erste eigene Angebot entsteht. Strukturierter Zugang zu Ausschreibungen aus hunderten Quellen und Frühinformationen aus Vorabbekanntmachungen und Haushaltsplänen schaffen den Vorsprung, der für ein überzeugendes Angebot gebraucht wird.
Wer ohne Markt- und Wettbewerbsdaten kalkuliert, verteilt Ressourcen nach Einschätzung statt nach Faktenlage. Strukturierte Marktdaten machen sichtbar, wer wie häufig ausschreibt, in welchen Volumina und mit welchen Vergabepräferenzen. Das schafft die Grundlage, um gezielter zu priorisieren und überzeugender zu kalkulieren.
Manuelle Prozesse, fehlende Systemanbindung und ungenutzte Automatisierungspotenziale binden Kapazität, die für die inhaltliche Angebotsarbeit fehlt. Vergabedaten, die strukturiert bereitstehen, sich direkt in bestehende Systeme einbinden lassen und durch intelligente Automatisierung weiterverarbeitet werden können, verlagern den Fokus wieder dorthin, wo er hingehört.
Zu spät über Vorhaben informiert zu sein und gleichzeitig ohne Marktkenntnis zu kalkulieren, bedeutet doppelten Nachteil. Wer früh im Bild ist und weiß, wie Auftraggeber und Wettbewerber aufgestellt sind, kann Chancen realistisch bewerten und Ressourcen gezielter einsetzen.
Wer Ausschreibungen zu spät entdeckt und gleichzeitig zu viel Kapazität für manuelle Prozesse aufwendet, verliert an zwei Stellen gleichzeitig. Frühinformationen und strukturierte, systemintegrierbare Vergabedaten mit intelligenter Automatisierung adressieren beide Hebel und schaffen mehr Spielraum für die eigentliche Angebotsarbeit.
Wer ohne Marktdaten kalkuliert und gleichzeitig zu viel Kapazität in manuelle Prozesse investiert, arbeitet mit dünner Basis bei hohem Aufwand. Strukturierte Marktdaten kombiniert mit maschinenlesbaren Vergabeunterlagen, intelligenter Automatisierung und direkter Systemanbindung bedeuten mehr Entscheidungsgrundlage bei weniger Aufwand.
Wenn im gesamten Vergabeprozesses Ausbaupotenzial besteht, können mehr als nur Einzelmaßnahmen helfen. Der DTAD bündelt Ausschreibungssuche, Frühinformationen, Marktdaten, strukturierte Vergabedaten, API-Anbindung und intelligente Automatisierung in einem System, aufgebaut auf über 25 Jahren Erfahrung im öffentlichen Vergabemarkt.
Zentrale Datenerfassung und einheitliche Schnittstellen stehen im befragten Gesamtmarkt ganz oben, wenn es um die wichtigsten Aspekte der Digitalisierung im Vergabeprozess geht. Für die IT-Branche rückt ein anderes Thema klar in den Vordergrund, eines, das direkt aus den benannten Hürden folgt: Entscheidungen müssen nachvollziehbar werden.
Transparente Dokumentation von Entscheidungen steht mit 52,9 % klar an erster Stelle. Der Zusammenhang mit den benannten Hürden ist direkt: Fehlende Transparenz bei Anforderungen und Bewertungskriterien ist eine der größten Belastungen der Branche. Bei der Digitalisierung lautet die logische Konsequenz: Entscheidungen müssen nachvollziehbar dokumentiert sein.
Besonders aufschlussreich ist, was die Branche niedrig bewertet. Einfachere Auswertung durch digitale Systeme nennen nur 5,8 %, weit unter dem Gesamtschnitt von 20,9 %. Die IT-Branche hat keine Probleme mit der Analyse von Daten. Was fehlt, sind verlässliche und strukturierte Informationen im Vergabeprozess selbst. Digitalisierung wird hier nicht als Werkzeug zur Vereinfachung verstanden, sondern als Grundlage für professionelles Arbeiten.
Strukturierte, maschinenlesbare Unterlagen werden mit 22,1 % deutlich häufiger genannt als im Gesamtschnitt (12,4 %). Auch das passt zum Gesamtbild: Daten sollen nicht nur vorliegen, sondern direkt verwertbar sein.Ein Drittel aller Befragten nutzt KI im Vergabeprozess bereits. In der IT-Branche ist dieser Wert mit 53,0 % deutlich höher. Und auch beim wahrgenommenen Potenzial zeigt die Branche ein Bild, das sich klar von allen anderen befragten Branchen unterscheidet.
Fast zwei Drittel der IT-Entscheider sehen das größte KI-Potenzial in der Extraktion von Anforderungs- und Eignungskriterien (66,2 %) sowie der automatischen Klassifikation und dem Matching (62,9 %). Beide Werte liegen weit über dem Gesamtschnitt von 24,2 % und 26,4 %. Es sind genau die Tätigkeiten, die heute den meisten manuellen Aufwand erzeugen.
Die Suche nach aktuellen Ausschreibungen landet daneben mit 15,8 % unter dem Gesamtschnitt (28,7 %). Ausschreibungen finden ist nicht das Problem. Anforderungen extrahieren, Unterlagen klassifizieren und Chancen systematisch bewerten: Das ist der wahrgenommene Mehrwert von KI in dieser Branche.
Nur 6,4 % sehen in keinem Bereich einen KI-Nutzen, gegenüber 30,5 % im Gesamtschnitt. Die IT-Branche ist nicht nur Vorreiterin in der Nutzung, sondern auch in der konkreten Vorstellung davon, wo KI im Vergabeprozess wirksam eingesetzt werden kann. Es wird sich zeigen, ob KI-Tools durch stetigen Fortschritt und kontinuierliche Weiterentwicklung im Vergabewesen eine immer zentralere Rolle auch in anderen Branchen spielen werden.Die Civey-Erhebung ist eine wissenschaftlich fundierte Studie und für den DTAD zugleich ein konkreter Praxisanker. Die Ergebnisse zeigen, wo Unternehmen im Vergabeprozess heute an Grenzen stoßen und welche Anforderungen im Arbeitsalltag besonders ins Gewicht fallen.
Für die IT-Branche zeichnet die Trendanalyse ein besonders klares Bild: Kein anderer befragter Sektor benennt seine Probleme präziser und fordert entschlossener. Administrative Komplexität und fehlende Transparenz bei Anforderungen sind die größten Belastungen im Vergabemarkt. Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein, Informationen direkt in bestehende Systeme einfließen und Anforderungen aus umfangreichen Unterlagen zuverlässig extrahierbar sein. Digitalisierung wird dabei nicht als Erleichterung verstanden, sondern als strukturelle Voraussetzung für professionelles Arbeiten. Dass 53 % der IT-Entscheider KI im Vergabeprozess bereits einsetzen, macht die Branche zum Maßstab für das, was im Vergabewesen technisch möglich und sinnvoll ist.
Mit über 25 Jahren Markterfahrung hat der DTAD Lösungen entwickelt, die an genau diesen Punkten ansetzen: strukturierte, maschinenlesbare Vergabedaten, automatisches Matching und Klassifikation, historische Vergabewerte als Benchmarkgrundlage sowie API-Integration in bestehende CRM- und Arbeitsumgebungen. Anforderungen aus Ausschreibungsunterlagen werden aufbereitet bereitgestellt, damit der Aufwand dort entsteht, wo er hingehört: in die Qualität des Angebots.
Für Unternehmen bedeutet das weniger manueller Rechercheaufwand, strukturierte Informationen als Grundlage für Bewertung und Kalkulation sowie Vergabedaten, die sich nahtlos in bestehende Systeme und Prozesse integrieren lassen.