Der Vergabemarkt verändert sich schneller als je zuvor. Digitalisierung, KI und ein wachsender Reformdruck stellen Unternehmen vor neue Fragen: Wie bleibt man wettbewerbsfähig? Was braucht es wirklich für eine erfolgreiche Ausschreibungsteilnahme? Und wohin entwickelt sich der Markt?
Der DTAD begleitet Unternehmen seit über 25 Jahren im Vergabemarkt. Diese Erfahrung schärft den Blick aber sie ersetzt nicht das direkte Zuhören. Deshalb hat der DTAD gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey den Vergabemarkt systematisch befragt: Was bewegt die Menschen, die täglich darin arbeiten?
Das bewegt die öffentliche Verwaltung und Gesundheit
Die Ergebnisse zeigen: Der Vergabemarkt hat branchenübergreifende Gemeinsamkeiten aber auch klare Unterschiede. Befragt wurde zu fünf Themen, die den Markt aktuell beschäftigen. Den Ausgangspunkt bildet der Ist-Zustand: Wo bremst der Vergabeprozess und warum? Aus diesen Belastungen ergibt sich ein Reformdruck. Darauf folgt die praktische Frage, welche Rahmenbedingungen eine erfolgreiche Teilnahme am Vergabemarkt befördern und schließlich der Blick auf die Instrumente: Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI dabei?
- Themen, die die öffentliche Verwaltung und Gesundheit bewegen
Die Bremsen: Überlastung im Vergabemarkt
Lange Verfahren und formale Last sind im Gesamtmarkt die meistgenannten Hürden. Im Sektor Öffentliche Verwaltung und Gesundheit treten beide mit besonderer Deutlichkeit auf und liegen weit über dem Gesamtdurchschnitt der vier befragten Branchen.
Lange Verfahrensdauer und Fristenmanagement nennen 60,8 % als größte Hürde, fast doppelt so viele wie im Gesamtschnitt (34,1 %). Hohe administrative Komplexität folgt mit 54,5 %, ebenfalls knapp doppelt so hoch wie branchenübergreifend (30,5 %). Der Sektor unterliegt strengen Rechtsrahmen, mehrstufigen Verfahren und umfangreichen Dokumentationspflichten. Das erzeugt Aufwand in jedem Schritt des Prozesses.
Auffällig ist ein Befund, der den Sektor von anderen unterscheidet. Das Finden passender Ausschreibungen wird mit 22,9 % als Hürde benannt, mehr als doppelt so häufig wie im Gesamtschnitt (10,9 %). Gleichzeitig liegt zu späte Kenntnis über relevante Vorhaben mit 8,2 % unter dem Marktschnitt (15,7 %). Das Timing ist also weniger das Problem als die Frage, welche Ausschreibungen im komplexen Marktumfeld überhaupt relevant sind.
Die Forderungen: Reformen mit Wirkung
Der Reformwunsch im Sektor Öffentliche Verwaltung und Gesundheit ist eindeutig. 79,1 % fordern Vereinfachung und Bürokratieabbau, der zweithöchste Wert aller befragten Branchen. Daneben spiegelt sich die besondere Rechtsgebundenheit des Sektors wider.
Aufschlussreich ist auch, was weniger gefordert wird. End-to-End-Digitalisierung des Vergabeprozesses nennen nur 23,8 %, nahe am Gesamtschnitt. Der Sektor strebt keine vollständige digitale Transformation an, sondern konkrete Entlastung in einem nach wie vor stark regulierten Umfeld. Eine bessere Berücksichtigung von KMUs liegt bei 0 %. Der Sektor sieht darin offenbar kein relevantes Reformanliegen.
Die Erfolgsfaktoren: Erfolgreiche Teilnahme an Ausschreibungen
Branchenübergreifend gilt der Zugang zu zentralen Ausschreibungsunterlagen als wichtigster Erfolgsfaktor im Vergabemarkt. Die Verwaltungs- und Gesundheitsbranche sieht das genauso, benennt dahinter aber Faktoren, die in keiner anderen befragten Branche so stark gewichtet werden: Systemintegration, historische Vergabedaten und Kontextinformationen über Auftraggeber spielen hier eine deutlich größere Rolle.
Zentral abrufbare Ausschreibungsunterlagen reichen mit 73,6 % weit über dem Gesamtschnitt von 42,1 %. Das zeigt, wie grundlegend der strukturierte Zugang zu Unterlagen für diese Branche ist.
Automatische Benachrichtigungen zu Fristen folgen mit 36,5 % und spielen eine überdurchschnittlich wichtige Rolle. Das ist konsistent mit der hohen Wahrnehmung von Fristenmanagement als Hürde. Wer lange Verfahrensdauer als größte Belastung benennt, priorisiert konsequenterweise automatische Fristenüberwachung.
Was dagegen weniger gefragt wird, ist ebenfalls aufschlussreich. Profile der Vergabestellen und Entscheider (6,2 % gegenüber 19,5 % im Gesamtschnitt) und Frühindikatoren für Auftragsbedarf (14,4 % gegenüber 19,0 %) spielen eine untergeordnete Rolle. Der Sektor denkt operativer und ist auf konkrete Prozesse fokussiert. Unternehmen wünschen sich vollständige Unterlagen und eine verlässliche Fristenübersicht.
Schnellcheck
In welchen Bereichen besteht im eigenen Teilnahmeprozess für Ausschreibungen noch Ausbaupotenzial?
Wer Ausschreibungen und geplante Vorhaben nicht frühzeitig auf dem Radar hat, verliert Vorbereitungszeit. Manche Chancen sind bereits vergeben, bevor das erste eigene Angebot entsteht. Strukturierter Zugang zu Ausschreibungen aus hunderten Quellen und Frühinformationen aus Vorabbekanntmachungen und Haushaltsplänen schaffen den Vorsprung, der für ein überzeugendes Angebot gebraucht wird.
Wer ohne Markt- und Wettbewerbsdaten kalkuliert, verteilt Ressourcen nach Einschätzung statt nach Faktenlage. Strukturierte Marktdaten machen sichtbar, wer wie häufig ausschreibt, in welchen Volumina und mit welchen Vergabepräferenzen. Das schafft die Grundlage, um gezielter zu priorisieren und überzeugender zu kalkulieren.
Manuelle Prozesse, fehlende Systemanbindung und ungenutzte Automatisierungspotenziale binden Kapazität, die für die inhaltliche Angebotsarbeit fehlt. Vergabedaten, die strukturiert bereitstehen, sich direkt in bestehende Systeme einbinden lassen und durch intelligente Automatisierung weiterverarbeitet werden können, verlagern den Fokus wieder dorthin, wo er hingehört.
Zu spät über Vorhaben informiert zu sein und gleichzeitig ohne Marktkenntnis zu kalkulieren, bedeutet doppelten Nachteil. Wer früh im Bild ist und weiß, wie Auftraggeber und Wettbewerber aufgestellt sind, kann Chancen realistisch bewerten und Ressourcen gezielter einsetzen.
Wer Ausschreibungen zu spät entdeckt und gleichzeitig zu viel Kapazität für manuelle Prozesse aufwendet, verliert an zwei Stellen gleichzeitig. Frühinformationen und strukturierte, systemintegrierbare Vergabedaten mit intelligenter Automatisierung adressieren beide Hebel und schaffen mehr Spielraum für die eigentliche Angebotsarbeit.
Wer ohne Marktdaten kalkuliert und gleichzeitig zu viel Kapazität in manuelle Prozesse investiert, arbeitet mit dünner Basis bei hohem Aufwand. Strukturierte Marktdaten kombiniert mit maschinenlesbaren Vergabeunterlagen, intelligenter Automatisierung und direkter Systemanbindung bedeuten mehr Entscheidungsgrundlage bei weniger Aufwand.
Wenn im gesamten Vergabeprozesses Ausbaupotenzial besteht, können mehr als nur Einzelmaßnahmen helfen. Der DTAD bündelt Ausschreibungssuche, Frühinformationen, Marktdaten, strukturierte Vergabedaten, API-Anbindung und intelligente Automatisierung in einem System, aufgebaut auf über 25 Jahren Erfahrung im öffentlichen Vergabemarkt.
Die Hebel: Digitalisierung die wirkt
Gefragt nach den wichtigsten Aspekten der Digitalisierung im Vergabeprozess, setzt die Branche einen Schwerpunkt. Einheitliche digitale Schnittstellen und Formate erzielen hier den höchsten Wert aller befragten Branchen.
Einheitliche digitale Schnittstellen und Formate (43,3 %) erzielen den höchsten Branchenwert, ein klares Signal für den Wunsch nach systemübergreifender Interoperabilität innerhalb komplexer Verwaltungsstrukturen. Verwaltungen und Gesundheitseinrichtungen arbeiten häufig mit historisch gewachsenen IT-Landschaften, in denen viele verschiedene Systeme parallel laufen. Interoperabilität ist dort keine technische Feinheit, sondern eine strukturelle Voraussetzung für funktionsfähige Prozesse.
Frühzeitige Information zu geplanten Vorhaben dagegen nennen nur 13,6 %, deutlich unter dem Gesamtschnitt (24,0 %). Das passt zum Gesamtbild: Der Sektor leidet weniger unter zu später Kenntnis als unter dem Aufwand des Prozesses selbst. Digitalisierung muss keine frühere Marktbeobachtung ermöglichen, sondern laufende Abläufe reibungsloser machen.
Der Einsatz von KI als Unterstützung landet mit 7,1 % am Ende der Liste. Ein Befund, der sich im nächsten Abschnitt bestätigt.
Die Zukunft: Künstliche Intelligenz
Mit nur 4,5 % KI-Nutzung liegt der Sektor Öffentliche Verwaltung und Gesundheit weit unter allen anderen befragten Branchen. KI ist hier noch kein etabliertes Werkzeug im Vergabeprozess. Wo der Sektor dennoch Potenzial erkennt, zeigt sich ein klares Muster.
Die Nutzungsrate von 4,5 % ist die niedrigste aller befragten Branchen. Der Kontrast zur IT-Branche (53,0 %) ist so groß wie zwischen keinen anderen zwei Branchen in der Erhebung. Regulatorische Rahmenbedingungen, Datenschutzanforderungen und historisch gewachsene IT-Strukturen dürften dazu beitragen.
Trotz der mit Abstand niedrigsten KI-Nutzung sieht der Sektor konkretes Potenzial in der Angebotsbewertung und Texterstellung (46,0 %) sowie historischen Benchmarks (36,8 %). Suche und Klassifikation spielen kaum eine Rolle, der Fokus liegt auf Qualitätssicherung und Dokumentation. Beides sind Tätigkeiten, die im Vergabealltag des Sektors viel Zeit binden und in denen KI einen messbaren Beitrag leisten könnte.
32,4 % sehen in keinem Bereich des Vergabeprozesses einen KI-Nutzen. Das unterstreicht, dass KI in diesem Sektor kein Selbstläufer ist. Es wird sich zeigen, ob KI-Tools durch stetigen Fortschritt und kontinuierliche Weiterentwicklung im Vergabewesen auch hier schrittweise Fuß fassen werden.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Civey-Erhebung ist eine wissenschaftlich fundierte Studie und für den DTAD zugleich ein konkreter Praxisanker. Die Ergebnisse zeigen, wo Unternehmen im Vergabeprozess heute an Grenzen stoßen und welche Anforderungen im Arbeitsalltag besonders ins Gewicht fallen.
Im Sektor Öffentliche Verwaltung und Gesundheit zeichnet die Trendanalyse ein klares Bild: Die größte Belastung liegt nicht im Timing, sondern im Prozess selbst. Lange Verfahren, hohe administrative Anforderungen und die Schwierigkeit, im stark regulierten Marktumfeld relevante Ausschreibungen zu identifizieren, binden Kapazitäten in jedem Schritt. Wer erfolgreich teilnehmen will, braucht vollständige Unterlagen zentral abrufbar, verlässliche Fristenüberwachung und eine rechtssichere Grundlage für jede Entscheidung. Genau dort entstehen die größten Branchenhürden: im Zusammenspiel aus Komplexität, Formalität und operativem Aufwand.
Mit über 25 Jahren Markterfahrung hat der DTAD Lösungen entwickelt, die an genau diesen Punkten ansetzen: von der nach Relevanz gefilterten Marktübersicht über zentral gebündelte Ausschreibungsunterlagen bis hin zu automatischen Fristenbenachrichtigungen und strukturierten Vergabedaten, die sich nahtlos in bestehende Systemlandschaften integrieren lassen. Ziel ist es, Aufwand zu reduzieren, relevante Ausschreibungen früh erkennbar zu machen und Entscheidungen auf verlässlicher Datenbasis zu treffen.
Für Unternehmen bedeutet das weniger Zeitverlust im operativen Verfahren, klarere Entscheidungsgrundlagen und bessere Chancen, in einem regulierten Markt gezielt und sicher zu agieren.